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Jahrgang 2026 Lese-Vorschau

Die schönste Seite des bäuerlichen Lebens ist die Abwechslung. Die abwechslungsreichen Arbeiten bleiben über den Jahreskreis hinweg zwar immer ähnlich, aber die Umstände sind jedes Jahr anders. Das macht unseren Beruf spannend und man lernt sehr viel. Manche Jahre sind sie aber sehr oder sogar gewaltig anders. Waren es früher die kalten und verregneten Jahre die uns vor große Herausforderungen stellten, kommen inzwischen immer öfter trockene und heiße Jahre dazu.

Aber die große Trockenheit des Jahres 2026 ist dann doch außergewöhnlich.

Wir haben großes Glück, das die Rebe eine Pflanze des Südens ist und mit der Trockenheit hervorragend zurande kommt. Allerdings liegt es am Winzer in den Rebanlagen für die bestmöglichen Bedingungen zu sorgen um die Pflanzen während langer Phasen der Trockenheit in ihrer Vitalität zu unterstützen beziehungsweise nicht zu hemmen.

Wir versuchen uns jede Saison bestmöglich anzupassen und denken oft und viel über Trockenheits- und Hitzemanagement nach. Viele Maßnahmen die in einem Jahr wie heuer sinnvoll sind, gehen ein bisschen gegen das in den Weinbauschulen gelernte. Es fühlt sich also im Tun manchmal ein bisschen Falsch an…. Österreich war die meiste Zeit seiner weinbaulichen Tradition ein klimatisches Randgebiet. Unsere Institutionen lehren vor allem wie man bei kühlen Vorrausetzungen reife Weine produziert. Das sich das Klima so schnell ändert, hat niemand erwartet.

Wir haben schon im Frühling ein Zwicken in unserem linken kleinen Zeh verspürt und mit einem sehr warmen und trocknen Jahr gerechnet. Die vielen Zeitungsartikel über einen sich anbahnenden Rekord El Nino haben uns in diesem Bauchgefühl gestärkt. Deswegen haben wir schon früh darauf gesetzt die Wasserkonkurrenz zu den Reben in unseren Anlagen zu minimieren: durch gezieltes Stören der Begrünung. Die Laubarbeit wurde auf ein Minimum reduziert um eine maximale Beschattung der Trauben zu gewährleisten. Das trägt dazu bei Säure und primäre Fruchtaromen zu konservieren. Außerdem kostet Laubarbeit (sprich das Entfernen oder Einkürzen von Blättern oder Trieben) immer Wasser. Die Rebe ist wundervoll in der Lage sich bei Trockenheit selbst in Wachstum und Transpiration zu regulieren, es sei denn sie hat Verletzungen.

Vor einigen Jahren wurde in unserem Dorf eine genossenschaftlich organisierte Betropfungsanlage errichtet. Dadurch können wir fast alle unsere Weingärten inzwischen bewässern. Die Errichtung solcher Anlagen ist extrem kostspielig, aber in Anbetracht der Erwärmung amortisieren sie sich deutlich schneller als früher. Wichtig ist es aber hierbei die Reben nicht zu sehr zu verwöhnen. Es darf keine Abhängigkeit entstehen. Man sollte Sie nur verwenden um die Vitalität der Reben zu unterstützen im Hinblick auf ein langfristiges Ertrags- und Qualitätspotential.

Einige dieser Maßnahmen waren ein Glücksspiel. Wäre der Sommer überraschend ein sehr nasser geworden, hätten wir mit hohem Infektionsdruck durch Pilzkrankheiten zu kämpfen gehabt. So haben wir allerdings perfekt gesundes Traubenmaterial in den Weingärten. Der Pflanzenschutz spielt bei so trockenen und warmen Bedingungen eine untergeordnete Rolle, da es den meisten Schädlingen zu trocken und warm war.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings. Durch die Trockenheit ist mit einer sehr kleinen Ernte zu rechnen, da die Trauben und Beeren eher klein geblieben sind. Es bleibt auch zu befürchten, dass die Pressausbeute heuer sehr gering sein wird da die Beeren zum Schutz vor der Verdunstung eine besonders dicke Schale ausgebildet haben. Qualitativ hat das allerdings Vorteile.

Wir rechnen mit einer qualitativ sehr guten Ernte, reifen Weinen mit guter Frucht und solider Säure. Allerdings leider nur in kleiner Auflage verfügbar. Der Lese-Start findet bei uns am Dienstag dem 1. September statt.

Unser großes Glück als Weinbauern ist es, dass wir in solch gewaltig trockenen und heißen Jahren trotzdem eine gute Ernte einfahren werden. Unseren Kollegen am Feld und in den Ställen geht es leider nicht so gut. Bei einem Blick in die Landschaft blutet und das Herz aus Empathie für all unsere Kollegen in der Landwirtschaft die jedes Jahr ihren Teil dazu beitragen uns mit hervorragenden Nahrungsmitteln zu versorgen und dabei unsere wunderschöne Kulturlandschaft pflegen. Gerade deswegen sollte man in solchen schwierigen Jahren zu österreichischen und europäischen Produkten greifen. Am besten bio-zertifiziert.

Sobald die Ernte eingefahren ist und die ersten Weine fertig vergoren sind, werden wir uns mit einer genaueren Einschätzung der Weinqualitäten melden.

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